Männerberatung
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Gesundheit

"Männer und Frauen sind nicht gleich gesund" lautete das Motto der 4. Österreichischen Gesundheitskonferenz 2002 in Linz, bei der über geschlechtsspezifische Ansätze in der Gesundheitsförderung diskutiert wurde. Da die meisten Krankheitsstatistiken von Männern angeführt werden, ist es naheliegend, sich mit den Männern als besondere Zielgruppe der Gesundheitsförderung zu befassen.

Männergesundheitsberichte

Bereits der Wiener Männergesundheitsbericht (1999) machte deutlich, wie krank das starke Geschlecht in Wirklichkeit ist. Demnach leidet 1/5 der Männer unter chronischen Erkrankungen, vor allem an Bluthochdruck und Gelenksrheumatismus. Die häufigsten Todesursachen von Männern sind Herz-Kreislauferkrankungen (50 %), Krebs und Unfälle. Koronare Herzerkrankungen sind häufig durch Lebensstilfaktoren verursacht. Für die gegenüber den Frauen durchschnittlich um sechs Jahre niedrigere Lebenserwartung der Männer sind darüber hinaus auch hoher Alkoholkonsum und Selbstmord (dreimal so häufig als bei Frauen) verantwortlich. Männer leiden auch häufig an Atemwegserkrankungen. Auf Überlastung durch Stress reagieren viele Männer mit erhöhtem Zigaretten- und Alkoholkonsum sowie Überernährung.

Der mittlerweile erschienene 1. Österreichische Männergesundheitsbericht der männerpolitischen Grundsatzabteilung des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz (2004) bestätigt im Wesentlichen diese Ergebnisse. Entsprechend der traditionellen Rollenerwartung gehen Männer weniger sorgsam mit dem eigenen Körper um als Frauen. Sie überbeanspruchen ihren Körper sowohl im Beruf als auch in der Freizeit und bemerken gesundheitliche Probleme erst, wenn es deutliche Symptome gibt. Männer sterben in Österreich durchschnittlich um 5,7 Jahre früher als Frauen und sind von nicht geschlechtsspezifischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Leberzirrhose und Lungenkrebs überzufällig häufig betroffen. 74 % der Selbstmorde werden von Männern verübt. Männer sind auch mehrheitlich Opfer des Straßenverkehrs und von schweren Arbeitsunfällen, die zu bleibenden Schäden führen. Trotzdem fühlen sich Männer durchschnittlich gesünder als Frauen und gehen daher seltener zum Hausarzt. 80 % der chronischen Alkoholiker sind Männer, und an alkoholbedingten Verkehrsunfällen sind Männer zu 90 % beteiligt. 74 % der Verkehrstoten sind Männer. Die Rate der Männer bei sonstigen Unfällen beträgt ebenfalls 74 %.

Berufliche Belastungen

Da die Berufstätigkeit für Männer einen zentralen Stellenwert für das Erleben von Identität darstellt, und Arbeit und Leistung eine überaus bedeutsame Rolle für das Wohlbefinden von Männer spielen, haben Kränkungen in diesem Bereich, wie zum Beispiel Arbeitsplatzverlust, Kündigung und Arbeitslosigkeit, oft massive psychosoziale Probleme und psychosomatische Erkrankungen zur Folge. Arbeitslosigkeit und Gesundheitsgefährdung korrelieren häufig.

Berufliche Belastungen sind von entscheidender Bedeutung für die Beeinträchtigung männlicher Gesundheit Männer fühlen sich durch den Beruf (starker Zeitdruck, schwere körperliche Arbeit, Konflikte am Arbeitsplatz) wesentlich häufiger gesundheitlich belastet als Frauen. Männer sind auch weitaus häufiger Opfer von Arbeitsunfällen und sind von anerkannten Berufskrankheiten, wie zum Beispiel Schwerhörigkeit durch Lärm, besonders häufig betroffen. Berufstätige Männer sehen die größte Bedrohung ihrer Gesundheit im Stress. Überarbeitung und Überlastung im Berufsleben führen zu Stress, und schließlich kann es zum Burn-out-Syndrom kommen. Man fühlt sich ausgebrannt, körperlich, geistig und emotional erschöpft. Mehr als ein Viertel der 20- bis 44-jährigen Männer gibt an, starkem Zeitdruck ausgesetzt zu sein, und mehr als ein Fünftel fühlt sich durch schwere körperliche Arbeit belastet. Beide Faktoren sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Die Resilienzforschung zeigt, dass bestimmte soziale Geschlechtsrollen (z.B. Fürsorglichkeit) die Gesundheit fördern, und die Übernahme traditioneller Geschlechtsrollen die Gesundheitschancen verschlechtert. Eine androgyne Geschlechtsidentität ist mit erheblich besseren Widerstandskräften und Gesundheitschancen verbunden. "Die Erziehung zur Gesundheit ist demnach eng verbunden mit einer auf Überwindung traditioneller Geschlechtsrollen gerichteten geschlechtsspezifischen Sozialisation". Jungen sind dann gegenüber psychischen Problemen eher widerstandsfähig, wenn sie aus Familien mit klaren Regeln und Strukturen kommen, in denen Gefühle nicht unterdrückt wurden und ein männliches Familienmitglied als Identifikationsfigur vorhanden war.

Für Männer wirken Partnerschaft und Familie eindeutig protektiv, das heißt sie bilden einen Schutzfaktor gegen psychische Probleme. Geschiedene Männer haben zum Beispiel eine fünfmal so hohe Suizidrate als verheiratete.

Auswirkungen der traditionellen Männerrolle

Die klassische Männerrolle erlaubt den Männern nicht, auf jemand angewiesen zu sein oder körperliche und seelische Schwächen einzugestehen, und verhindert dadurch häufig die Inanspruchnahme ärztlicher oder psychotherapeutischer Behandlung. Diese wird als Verlust an Ansehen und Männlichkeit seitens der Mitarbeiter und Vorgesetzten wahrgenommen und dementsprechend vermieden. Viele Männer gehen daher erst dann zum Arzt, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Nur jeder vierte Mann nimmt an Vorsorgeuntersuchungen teil bzw. interessiert sich für medizinische Fragen. Die kostenlosen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung werden nur von 5 % der über 45-jährigen Männer genutzt.

Da Männer präventive Gesundheitsleistungen wie kostenlose Vorsorgeuntersuchungen deutlich seltener in Anspruch nehmen, ist es eine große gesellschaftliche Herausforderung,  Männer durch Gesundheitsinformationsveranstaltungen wie Männergesundheitstage und Gesundheitskampagnen zu motivieren, besser auf ihre eigene Gesundheit zu achten und die Sensibilität für die körperlichen Warnsignale zu erhöhen. Dies wird nur möglich sein, wenn die bestehenden Gesundheitsangebote männerfreundlicher werden und die Bedeutung von Lebensstiländerungen für Männer auch  in den Medien nachhaltiger verbreitet wird.



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