Patchwork-Familie
Eine Stieffamilie durchläuft verschieden Phasen, die bewältigt werden müssen und welche die Entwicklung eines neuen Verhaltensrepertoires erfordern. Diese Übergangsphasen können auch als Krisen erlebt werden.Die Abschiedsphase:
Hier sind Trauerarbeit und Abschiednehmen von großer Bedeutung. Auch Abschiednehmen vom Idealbild der "normalen" Familie. Die Elternpositionen und -funktionen müssen umdefiniert werden (Sorgerecht, Besuchsrecht, Unterhalt). Eltern bleiben Eltern, auch wenn sie nicht mehr zusammen leben. Die Ehescheidung löst nur die Paarebene. Allerdings muss beim alleinigen Sorgerecht ein Elternteil ein bestimmtes Maß an Einfluss und Kontrolle in Bezug auf die Erziehung seines Kindes aufgeben.
Phase des Lebens als Teilfamilie
Bei der gemeinsamen Obsorge, die seit 2001 den Regelfall darstellt, ist jeder Elternteil allein befugt, Entscheidungen im Bereich der Pflege und Erziehung des Kindes, der Vermögensverwaltung und gesetzlichen Vertretung zu treffen. Im Sinne des Kindeswohls ist es jedoch zielführend, wenn die Eltern gemeinsam entscheiden, obwohl ein Elternteil nicht mehr zur Teilfamilie gehört. Dies erfordert, dass die Eltern eine gute Kommunikationsbasis haben und miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen. Bei der alleinigen Obsorge muss der alleinerziehende Elternteil alle Elternfunktionen allein übernehmen.
Phase der Neugründung - Bildung der Stieffamilie:
Wenn zum alleinerziehenden Elternteil und seinen Kindern ein Erwachsener (ev mit seinen Kindern) hinzukommt, wird eine neue Familie gegründet, was oft beträchtliche Auswirkungen auf den besuchsberechtigten Elternteil - meist den Vater - hat. Die Familienmitglieder müssen akzeptieren, dass Nähe und Distanz unter den Mitgliedern unterschiedlich sein können. Die Nähe des leiblichen Elternteils zu seinen Kindern darf größer sein. Und die Paarbeziehung muss sehr bewusst aufgebaut und gepflegt werden.
Probleme in Stieffamilien
Stiefelternteile (insbesondere Stiefväter) erleben oft eine erhebliche Rollenunsicherheit (sie haben bei wichtigen Fragen keine Entscheidungsbefugnisse) und haben Schwierigkeiten, sich in die Familie zu integrieren, weil sie u.U. versuchen, den Platz des leiblichen Elternteils einzunehmen und sich manchmal als die "besseren" Väter fühlen. Es fällt ihnen mitunter schwer, die Bedeutung des leiblichen Vaters für die Kinder anzuerkennen. Die wichtige Rolle des leiblichen Elternteils für die Kinder kann bei ihnen Beziehungsunsicherheiten und Rivalitätsgefühle auslösen. Die Kinder geraten damit u.U. in Loyalitätskonflikte, da sie ja meist beide Väter gern haben. Zudem haben Stiefväter oftmals den hohen Anspruch, alle Kinder - die eigenen und die Stiefkinder - gleich gern zu haben - eine fast unlösbare Aufgabe. Manche Stiefväter wollen zu den Kindern eine rein "freundschaftliche" Beziehung pflegen, während ihre Partnerinnen von ihnen eine Unterstützung in der Erziehung erwarten. So sind Konflikte vorprogrammiert.Ein anderes Problem kann sich ergeben, wenn ein Kind (meist der Sohn) während der Teilfamilienphase den Platz des abwesenden Vaters und Partners der Mutter eingenommen hat. Kinder, die während der Teilfamilienphase zu Koalitionspartnern des Elternteils wurden, müssen bei der Gründung der Stieffamilie um ihre Position fürchten und reagieren häufig mit Verhaltensauffälligkeiten.
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