Männerberatung
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Trennung / Scheidung

Scheidung muss nicht notwendigerweise ein seelisches Trauma bedeuten, das sich unbedingt negativ auf die weitere Entwicklung der Ehepartner und der Kinder auswirken muss. Scheidung kann vielmehr als eine Krise verstanden werden, die mit viel Stress für die ganze Familie verbunden ist. Allerdings wird der Stress durch die elterlichen und familiären Auseinandersetzungen laut Untersuchungen in der Zeit vor der Scheidung stärker erlebt als während der Scheidung.


Entwicklungsaufgaben von Familien während und nach der Scheidung

Es lassen sich 4 zentrale Problemfelder unterscheiden:

1. Verarbeitung des Verlustes der intakten Familie:

Die Enttäuschung und die Trauer über den Verlust wichtiger Bezugspersonen müssen verarbeitet werden, und die Trennung muss als Realität akzeptiert werden. Manche Partner sind gegenüber der Trennung sehr ambivalent eingestellt und schwanken ständig hin und her zwischen Trennung und Wiederversöhnung. Eines der wichtigsten Ziele ist hier die psychische Trennung der Eltern. Geschiedene Ehepartner brauchen durchschnittlich 1-2 Jahre, bis sie die psychische Trennung vollzogen haben. Manche bleiben noch längere Zeit in der Ärger- oder Depressionsphase stecken. Eine psychotherapeutische Begleitung ist hier sicherlich sehr hilfreich zur Bewältigung der praktischen und emotionalen Probleme, die mit der Scheidung verbunden sind. Sie bietet eine Gelegenheit, die positiven und negativen Seiten der Beziehung zu reflektieren, die individuelle Entwicklungsgeschichte in der Herkunftsfamilie aufzuarbeiten und die eigenen Anteile am Scheitern der Ehe zu erkennen. Damit die Scheidung bewältigt werden kann, ist es notwendig, Trauerprozesse zuzulassen, indem Gefühle der Enttäuschung, Bitterkeit, Wut, Trauer und Angst ausgesprochen werden können.

Kinder entwickeln oft Phantasien und Befürchtungen darüber, welche Rolle sie beim Zustandekommen der Scheidung spielten und was mit ihnen in der Zukunft passieren wird. Solche Kinder phantasieren oft, sie könnten verantwortlich für die Trennung von Vater und Mutter sein und entwickeln daher Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle und haben das Gefühl, dass sie zu wenig getan haben, um die Eltern zusammenzuhalten. Diese Kinder machen sich auch oft unrealistische Hoffnungen auf eine Wiederversöhnung der Eltern und reagieren mit körperlichen oder psychischen Symptomen. Kinder im Schulalter haben oft Angst, dass sie auch vom sorgeberechtigten Elternteil verlassen werden könnten. Kinder reagieren verunsichert auf die Trennung der Eltern. Sie fühlen sich bedrückt, verspannt, ängstlich und verwirrt, verhalten sich vermehrt aggressiv und widerspenstig oder abhängig. Diese Verhaltensweisen von Kindern, die den Eltern Sorgen bereiten, haben oft die Funktion, die Eltern von ihrer Depression abzulenken. Die Kinder versuchen so unbewusst, die Eltern wieder zusammenzuführen. Es ist jedoch wichtig, dass sie ihre unrealistischen Hoffnungen und Wünsche nach Wiedervereinigung der Familie aufgeben. Sie sollten auch die Möglichkeit haben, über ihre Gefühle von Schuld, Versagen, Verantwortung, Schmerz und Zorn zu sprechen.

Sehr bewährt haben sich dabei die sogenannten "Rainbows-Gruppen", in denen die Kinder in der Gruppe von Gleichaltrigen unter Anleitung von geschulten Trainern lernen, mit Verlust und Trennung umzugehen (Koordinationsstelle für Oberösterreich: Sylvia Spiessberger, Stelzhamerstraße 5a, 4810 Gmunden, Tel.: 07612/63 0 56 - Fax: 07612/67 2 40, E-mail: ooe@rainbows.at, http://www.rainbows.at/).

2. Der Umgang mit den Loyalitätskonflikten der Kinder:

Die meisten Kinder wollen den Kontakt mit beiden Eltern aufrechterhalten. Die Hauptkampffelder der beteiligten Parteien sind die Auseinandersetzung um das Sorgerecht und die Besuchsregelung. Jeder möchte zeigen, dass er besser in der Lage ist, für das Kind zu sorgen, als der andere. Besonders die Besuchsregelung wird oft benutzt, um den anderen zu bekämpfen oder zu verletzen. Kinder drücken den Ärger über den Verlust des Vaters vor allem gegenüber der Mutter aus. Durch Verhaltensauffälligkeiten versuchen sie unbewusst, den Vater als starke Hand wieder in die Familie hereinzuholen. Hier ist es notwendig, dass die Eltern lernen, den ehelichen Konflikt von der Elternrolle zu trennen und die Zusammenarbeit als Eltern auch nach der Scheidung sicherstellen. Gelingt dies nicht, kann es sehr leicht passieren, dass die Kinder unbewusst die Eltern gegeneinander ausspielen, um sich die Liebe beider zu sichern. Wenn die Eltern ihre Kinder nicht in einen tiefen Loyalitätskonflikt stürzen wollen, ist es notwendig, ein befriedigendes Arrangement bezüglich der Kinder auszuarbeiten. Vor allem darf kein Zweifel daran bestehen, wie wichtig die Beteiligung des nichtsorgeberechtigten Elternteils für das Wohl der Kinder ist. Die Regelungen für das Sorge- und Besuchsrecht müssen die Kontinuität der Beziehungen der Kinder zu beiden Elternteilen sicherstellen. Eine Koalition der sorgeberechtigten Mutter mit den Kindern gegen den Vater kann langfristig gravierende negative Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder haben.

3. Neudefinition der Grenzen und Rollenverteilungen

Die geschiedenen Eltern versuchen nach der Trennung meist aus Schuldgefühlen heraus eine besonders intensive Bindung zu den Kindern herzustellen, indem sie den Kindern ein besonders partnerschaftliches Verhältnis (Kumpel, Pseudo-Partnerschaft) anbieten oder sie überbehüten.
Kinder übernehmen oft nach einer Scheidung die Aufgaben des abwesenden Elternteils oder werden zum Partnerersatz, Vermittler, Vertrauten, Bündnispartner oder Tröster. Mit diesen Rollen sind sie jedoch gänzlich überfordert. Es ist für das Kindeswohl unbedingt notwendig, die Kinder aus dem Ehekonflikt herauszuhalten und in der Versorgung und Erziehung der Kinder miteinander zu kooperieren.

Wenn Großeltern die Erziehung teilweise übernehmen, ist unbedingt eine genaue Absprache über die Aufgabenverteilung und Erziehungsstile notwendig, das heißt, der obsorgeberechtigte Elternteil muss hauptverantwortlich bleiben.

4.Überwindung der Isolation nach der Trennung und Ermöglichung neuer Entwicklungsschritte:

Mit dem gesteigerten Engagement innerhalb der Familie ist oft ein Rückzug von der außerfamiliären Welt verbunden. Zur Neuorientierung ist es wichtig, ein verlässliches soziales Beziehungsnetz außerhalb der Familie aufzubauen, neue Freunde zu finden bzw. alte Freundschaften wieder zu aktivieren.

Kontakt der Kinder zum Vater

Heute werden Ehen früher geschieden als in der Vergangenheit. Die betroffenen Kinder erleben daher die Trennung der Eltern in einem jüngeren Alter, oft kurz nach der Geburt oder noch als Kleinkinder. Dieser Trend fällt in eine Zeit, in der objektiv die Bedeutung des Vaters für die frühen Entwicklungsjahre stärker erkannt wird. Kinder haben ein Recht auf eine Beziehung zu beiden Eltern. Somit ist es ein schweres Unrecht, wenn ihnen der Kontakt zum getrennten Elternteil vorenthalten wird.

Andererseits nimmt das Engagement vieler nicht sorgeberechtigter Väter bei ihren Kindern nach der Scheidung kontinuierlich ab. Mehr als die Hälfte der Scheidungskinder sehen ihren Vater nur gelegentlich. Oft wird der Kontakt zu den Kindern reduziert, um den Streit mit der geschiedenen Frau zu vermeiden.

Viele Kinder entwickeln Mitleid mit dem getrennten Vater und verbünden sich heimlich mit ihm, wodurch sie in einen schweren Loyalitätskonflikt geraten können. Andererseits verwöhnen Scheidungsväter oft aus Schuldgefühlen ihre Kinder und setzen ihnen keine klaren Grenzen, wo diese gefragt wären.


Wie geht es den Vätern nach einer Scheidung oder Trennung?

Der nichtsorgeberechtigte Elternteil - meist der Vater - wird als nicht mehr zur Familie gehörig angesehen und oft als störender Faktor beurteilt. Viele Väter haben Angst, dass sie die kleinen Kinder für immer verlieren, wenn von der Mutter der Kontakt mit den Kindern vereitelt wird. Doch mit zunehmendem Alter und wachsender Unabhängigkeit von der Mutter können die Kinder ihre Wünsche artikulieren und selbständig durchsetzen. Väter, die zu früh aufgeben, sich gekränkt zurückziehen, verspielen oft die Chance einer Wiederannäherung.

Viele geschiedene Väter haben das Gefühl, gescheitert zu sein oder versagt zu haben, was eine schwere Beeinträchtigung des männlichen Selbstwertgefühls zur Folge hat. Zugleich schämen sie sich und haben Schuldgefühle. Der Gedanke an die Kinder frisst sie förmlich auf, macht sie depressiv oder verunsichert sie in ihrem Selbstbewusstsein. Sie fühlen eine innere Leere. Die Selbstmordrate der Männer, die ohnehin 3mal so hoch ist wie die der Frauen, erhöht sich nach einer Scheidung wesentlich.

Die Trennung kann Verzweiflung, Trennungsschmerz und Trauer über den Verlust der Kinder und des eigenen Vaterideals auslösen. Dieser Trauerprozess ist für die Verarbeitung des Scheidungsschicksals unabdingbar, bevor eine innere Versöhnung und ein anschließender Neubeginn möglich wird. Väter sind nach der Scheidung mit dem plötzlichen Alleinsein konfrontiert. Durch die Flucht in eine neue Partnerschaft wird jedoch die notwendige Trauerarbeit verhindert. Schließlich bleibt dem Mann der Beruf oft als letzter Anker, der ihm Halt gibt.

Besonders schwer haben es oft die nichtehelichen Väter. Sie befinden sich im Fall einer Trennung in einem absolut rechtlosen Zustand. Diese Väter erleben noch schmerzlicher das Hinausgestoßenwerden aus dem sozialen Verband der Familie.

Nicht zu vergessen sind die alleinerziehenden Väter, die sich völlig neu orientieren müssen und das alles zu übernehmen haben, wofür bisher die Mütter zuständig waren: einkaufen, kochen, waschen, bügeln, die Kinder pflegen und betreuen, ihnen Geschichten vorlesen, mit ihnen zum Arzt gehen, in der Schule nachfragen, Ansprechpartner für die Kinder sein, mit ihnen über ihre Ängste reden, ihnen Halt und Geborgenheit geben, im Chaos Ruhe bewahren. Mit einem Wort: den Familien- Alltag bewältigen - eine echte Herausforderung.


Mediation

In einer strukturierten Scheidungsvermittlung wird versucht, die Wünsche und Bedürfnisse zum Wohl der Kinder miteinander zu verhandeln. Wichtig ist dabei die aktive Teilnahme beider Partner und ein fairer Ablauf mit einem Verhandlungsergebnis, das von beiden Expartnern unterstützt wird.

Möglichkeiten und Grenzen der Scheidungsmediation:

Scheidungsmediation ist ein Ansatz, mit dem die aus der familiären Trennung oder Scheidung entstehenden Probleme eigenverantwortlich, aber mit Unterstützung von neutralen Dritten gelöst werden. Dabei werden folgende Zielsetzungen verfolgt:

Voraussetzung ist, dass beide Partner wenigstens ansatzweise bereit sind, sich konstruktiv auf den zielgerichteten Problemlösungsprozess einzulassen und miteinander nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Neben der Motivation zur Verhandlung ist auch die Verhandlungsfähigkeit eine wichtige Voraussetzung: Jeder Verhandlungspartner sollte in der Lage sein, seine zentralen Interessen wahrzunehmen und zu vertreten und zugleich einen gerechten Interessensausgleich vornehmen zu können. Dies ist z.B. nicht gegeben, wenn die Realität der Trennung von einem Partner nicht akzeptiert wird, ein Partner den anderen wieder zurückgewinnen möchte bzw. wenn ein extremes Macht-Ungleichgewicht besteht. Auch wenn ein sehr hohes Konfliktniveau besteht oder das Paar noch sehr verstrickt ist, ist diese Scheidungsvermittlung weniger effektiv.

Zum Aspekt der Fairness gehören Kooperationsbereitschaft, Bereitschaft zur Offenheit und das Anerkennen der berechtigten Interessen des anderen. Im Unterschied zur Therapie ist Mediation nicht auf Heilung, Wachstum, Aufarbeitung seelischer Konflikte sowie Entwicklung von Beziehungsfähigkeit gerichtet, sondern auf das Aushandeln von Vereinbarungen betreffend die Betreuung der Kinder, die finanzielle Unterstützung, die Auflösung des Vermögens, usw.

Ablauf der Mediation

Im Rahmen von 6 - 8 Sitzungen innerhalb von etwa 3 Monaten werden folgende Stufen durchlaufen:

  1. Aushandeln des Mediationsvertrages als Grundlage der Vorgehensweise zwischen dem Mediator und den Parteien (schriftliche Fixierung).
  2. Bestandsaufnahme und Erarbeitung der zu verhandelnden Themenbereiche. Entwickeln eines konstruktiven Gesprächsklimas.
  3. Klärung der Standpunkte und Herausarbeiten von dahinterliegenden Interessen und Bedürfnissen.
  4. Entscheidungsfindung mit schriftlicher Vereinbarung.
  5. Rechtliche Überprüfung durch die juristischen Vertrauenspersonen (Anwälte) der Parteien.
  6. Abschluss

Ziel der Mediation

Es ist das ausdrückliche Ziel der Mediation, die Eigenverantwortlichkeit der Parteien zu fördern die Durchführung der Scheidung in der Hände der Partner zurückzugeben und zu helfen, dass beide Eltern ihre Verantwortung gegenüber den Kindern wahrnehmen können. Dazu muss gegenseitige Akzeptanz und Verständnis der Parteien füreinander entwickelt werden.

An die Stelle des Musters von Sieg und Niederlage tritt die Suche nach der Möglichkeit, dass jede Partei gewinnt. Anstelle der Entweder-Oder-Regelung geht es um die Verbindung der Interessen und damit um Sowohl-als-auch-Lösungen. Statt die Unterschiede zu bekämpfen, werden diese zunächst einmal akzeptiert. Es steht also nicht der Kampf um das Recht im Vordergrund, sondern die Kooperation.

Scheidungsvermittlung will die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Parteien fördern, ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstachtung stärken und sie zur eigenverantwortlichen Entscheidungsfindung anhalten. Vermittlung bedeutet jedoch nicht Versöhnung der Ex-Partner.

Mediation ist freiwillig, vertraulich und auf faire partnerschaftliche Verhandlung angewiesen. Der Vermittler ist eine neutrale, unparteiische Person - jedoch kein Schiedsrichter oder Schlichter.



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