Männerberatung
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Mann werden

Die Ergebnisse aktueller Untersuchungen weisen ebenso wie die praktischen Erfahrungen der Buben- und Männerberatung auf eine Vielzahl von Problemen des "starken Geschlechts" hin.

Buben - kleine Helden mit großen Nöten

Die Mehrzahl der auffälligen Kinder in unserer Gesellschaft sind Buben. Sie bereiten in Familien, Kindergärten und Schulen mehr Schwierigkeiten als Mädchen. Sie sind auch in Erziehungsberatungsstellen, Sonderschulen, Jugendgefängnissen und Kinderpsychiatrischen Stationen häufiger anzutreffen. Sie sind häufiger krank, sozial auffälliger als Mädchen, fallen durch schlechtere Schulleistungen auf und müssen häufiger eine Klasse wiederholen. Hyperaktivität kommt bei Buben achtmal so häufig vor als bei Mädchen, psychosomatische Symptome zwei- bis sechsmal so häufig. Burschen begehen mehr Straftaten und sind fünfmal so häufig als Mädchen alkoholisiert. Sie sind häufiger Täter, aber auch Opfer von Gewalt. Die Selbstmordrate ist dreimal so hoch als bei Mädchen.

Buben auf der Suche nach Männlichkeit

Buben haben eine Menge Probleme damit, ein Mann zu werden. Die Erziehung von Jungen wird gerade in den ersten Lebensjahren immer noch vorwiegend von Frauen übernommen. Männer sind in Familie, Kindergarten und Schule deutlich unterrepräsentiert. Buben wissen daher nicht, mit welchen Werten sie Männlichkeit verbinden sollen. Denn sie wachsen vorwiegend mit weiblichen Werten auf. Buben erfahren auf der Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität lediglich, dass Mannsein heißt, anders als die Mutter zu sein, also nicht-weiblich. Sie beginnen, sich von allem, was weiblich ist, abzugrenzen, indem sie die weiblichen Werte abwerten. Mangels männlicher Vorbilder kommt es leicht zu einer Flucht in phantasierte Zerrbilder von Männlichkeit, denen sie aber in der Wirklichkeit des Alltags nicht entsprechen können. Gerade Buben mit persönlichen Problemen oder Leistungsschwächen begeben sich in die imaginären Welten von Film, Fernsehen sowie Video- und Computerspielen, wo Männlichkeit und Stärke eine zentrale Rolle spielt.

Außen hart ...

Buben haben einen starken Bewegungsdrang, wollen gerne der Beste, Schnellste und Stärkste sein und können Kritik schlecht ertragen. Sie tun sich schwer, innezuhalten und ruhig zu sein und halten sich ständig in Bewegung, damit ihre Sorgen nicht hochkommen können. Manche müssen immer rennen und raufen, können nicht stillsitzen. So sind sie ein richtiger Junge und müssen ihre Angst nicht spüren. Buben haben oft Angst, nicht als richtiger Junge angesehen zu werden. Wenn sie weinen oder Angst haben, z. B. vor Niederlagen, Versagen oder Gewalt, wirkt das unmännlich und sie werden gehänselt (Baby, Angsthase, Heulsuse, Weichei, Schwuler). Männlichkeit kann man beweisen, indem man keine Angst kennt und sich gefährlichen Situationen aussetzt.

Dementsprechend kommen fast doppelt so viele Buben als Mädchen bei Unfällen ums Leben. Sie verleugnen ihren seelischen Schmerz und verdrängen ihren Kummer, z.B. dass andere Jungen körperlich weiter entwickelt sind oder mehr Erfahrung im Umgang mit Mädchen haben, dass sie das Gefühl haben, Außenseiter zu sein, zu wenig männlich zu sein oder einen zu kleinen Penis zu haben, die Befürchtung, keine Freundin zu kriegen und das Gefühl von Einsamkeit. Eines ihrer größten Probleme ist also, dass sie keine Probleme haben dürfen, denn sie leben mit der traditionellen Rollenvorgabe, dass "Man(n)" sich keine Hilfe von außen holen und keine Schwächen zeigen darf. Wohin nun mit den Gefühlen? Ohnmachtsgefühle, Unsicherheiten, Ängste und Orientierungslosigkeit werden häufig kompensiert durch Alkohol, Drogen oder Gewalt. Denn der Grundsatz: "Lieber gewalttätig als unmännlich" sitzt tief in den Köpfen der Burschen.

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